Heidelberg, die romantische Stadt am Neckar, steigert Jahr für Jahr die Tourismuszahlen: 2017 wurden 1.435.705 Übernachtungen registriert - ein Plus von 1,6 Prozent. Die Zahl der Ankünfte liegt bei 745.703, auch hier 4,2 Prozent mehr. Mir rund 12 Millionen Tagestouristen ist Heidelberg einer der Tourismusmagnete in Deutschland. Im Auftrag der Heidelberg Marketing GmbH positionierte von b. die Marke „Heidelberg“ mit einer integrierten Kommunikationsstrategie im internationalen Markt. Innerhalb von drei Jahren gelang es gemeinsam mit dem Team der Heidelberg Marketing GmbH die Übernachtungszahlen um mehr als 25 Prozent – von rund 1,2 auf 1,4 Millionen Übernachtungen – zu steigern. Heidelberg wurde darüber hinaus als beste „Stadtmarke Deutschlands“ ausgezeichnet. Im Interview erzählt Marketingleiter Steffen Schmid, was die Stadt so besonders macht und was Stadtmarketing leisten kann, damit sich Gäste wohlfühlen.
Herr Schmid, Heidelberg ist einer der großen Tourismusmagneten in Deutschland – was macht den Reiz dieser Stadt aus?
Aus meiner Sicht sind dies drei Gründe: Heidelberg als Stadt der Romantik und einzigartiger Geschichte, mit der weltberühmten Schlossruine und der im 2. Weltkrieg unzerstörten barocken Altstadt, Heidelberg als Stadt der Wissenschaft mit der ältesten Universität Deutschlands – heute eine von elf Exzellenz-Universitäten in Deutschland mit herausragendem Ruf – und Heidelberg als junge, dynamische, weltoffene und internationale Stadt.
Wenn man über die Alte Brücke geht, hat man den Eindruck, es seien vor allem Chinesen und Japaner, die Heidelberg besuchen. Die Statistik sagt aber etwas anderes.
Die Statistik erfasst nur die Übernachtungs-, nicht aber die Tagesgäste. Zum einen wissen wir, dass sehr viele unserer asiatischen Gäste sich – leider - nur für einige Stunden in Heidelberg aufhalten und somit nicht in die Statistik einfließen. Zum anderen ist der Gästeanteil der Japaner und Chinesen im Verhältnis zu anderen deutschen Städten weiterhin sehr hoch. Deswegen nach wie vor dieser Eindruck.
Der Städtereisende von heute sucht kurze Fluchten und schnelle Auszeiten – er möchte etwas erleben und dies möglichst unkompliziert und authentisch. Was kann Ihre Marketingabteilung dafür tun, dass sich der Gast wohlfühlt und wiederkommt?
Gastfreundschaft, Service und zielgruppenorientierte Angebote, das sind sehr entscheidende Faktoren für die Zufriedenheit der Gäste – wobei es sich bei den ersten beiden Punkten um das nicht ganz einfache Thema „Innenmarketing“ handelt. Eine Marketingorganisation hat darauf nur beschränkten Einfluss. Bei den Angeboten müssen wir auf die Bedürfnisse des klassischen Städtetouristen eingehen – hervorragende Qualität bei Gästeführungen, guter ÖPNV, täglich buchbare Erlebnisse wie Schifffahrten, Bergbahnfahrten, aber auch eine angenehme Atmosphäre und gute Infrastruktur in der Stadt. Auch ist es wichtig, neue Trends zu erkennen und darauf zu reagieren – dazu gehört das Thema „Rad- und Wandertourismus“ oder auch das Thema „Medizintourismus“. Hier müssen neue Angebote für neue Märkte kreiert werden.
Der Tourist bleibt im Durchschnitt 1,9 Tage in Heidelberg. Setzen Sie bei Ihren Marketingmaßnahmen auch auf die Vernetzung mit umliegenden Städten und Gemeinden, um die Aufenthaltsdauer in der Stadt zu verlängern?
Die Verlängerung der Aufenthaltsdauer gehört zu einem der Oberziele unserer touristischen Arbeit. Der Vernetzung mit der Region kommt daher eine große Bedeutung zu. Wichtige Partner sind bsp. die „Burgenstraße“ mit tollen Ausflugszielen im Neckartal oder die „Bergstraße“ entlang des Odenwalds. Im Bereich „Kultur“ und „Tagungen & Kongresse“ kommt der Zusammenarbeit insbesondere mit Mannheim große Bedeutung zu.
Heidelberg hat sich in den vergangenen Jahren als Tagungs-und Kongressstandort etabliert. Wie wichtig sind Geschäftsreisende für Heidelberg?
Da Heidelberg als touristische Destination bekannt ist, ist es für viele sehr erstaunlich: Zwei Drittel unserer Übernachtungsgäste kommen aus geschäftlichen Gründen nach Heidelberg. Ein besonderer Faktor sind dabei natürlich die Universität und die Universitätskliniken, aber auch die heimische Wirtschaft mit ihren Geschäftskunden, Tagungen, Kongressen und Seminaren, die hier veranstaltet werden. Der Vermarktung Heidelbergs als Wissenschafts- und damit als prädestinierter Tagungs- und Kongressort kommt daher höchste Bedeutung zu.
Der Städtetourismus boomt – blicken Sie optimistisch in die Zukunft?
Heidelberg hat so viele Potenziale – romantische Traumstadt, weltweit angesehener Wissenschaftsstandort, Internationalität gepaart mit Weltoffenheit und pfälzischer Gastfreundschaft. Trotzdem ist Heidelberg kein Selbstläufer. Wenn wir jedoch unter den Aspekten „Qualität“ und „Kreativität“ diese Standortvorteile mit zielgruppenorientierten Angeboten unterfüttern, können wir sehr optimistisch in die Zukunft blicken.
Das Interview führte Anja Barlen-Herbig